Aus der Geschichte der Feuerwehr Ibbenbüren

Historie

1878 bis 2003

Eine der schwersten Feuersbrünste, die Ibbenbüren je erlebt hat, war der Brand am 24. September 1846. In der Bäckerei Freise war mittags ein Feuer ausgebrochen, das schnell um sich griff. Damals brannten am Kirchplatz der evangelischen Kirche viele Wohnhäuser und zwei Schulgebäude ab. Auch die Kirche wurde stark beschädigt; der Turm mit den Glocken stürzte ein. Das Feuer breitete sich auf die obere Stadt bis zur katholischen Kirche aus. Selbst an der Großen Straße und der Nordstraße brannten noch Häuser. Es dauerte mehrere Tage, bis die letzten Feuer gelöscht waren.

Zu dieser Zeit bestand in Ibbenbüren bereits eine Feuerlösch-Ordnung und nach §16 dieser Verordnung 2 Löschkompagnien. Die Gemeinde verfügte auch schon seit etwa 1820 über 2 Brandspritzen und verschiedene Löschgeräte, die zunächst im Turm der evangelischen Kirche und später im Feuerwehrhaus an der Roggenkampstraße untergebracht waren. Trotzdem war die Brandbekämpfung immer noch sehr dürftig.

Die Gründung Freiwilliger Feuerwehren vollzog sich in Deutschland seit Mitte des 19. Jahrhunderts. In Ibbenbüren wurde die Freiwillige Feuerwehr Stadt am 30. Juni 1878 gegründet. Sie bestand aus vier Abteilungen zu je 24 Mann. Es gab die Spritzenmannschaft, die Ordnungsmannschaft, die Rettungsmannschaft und die Wasserfahrer. Der erste Chef der Feuerwehr war der Amtmann Reinhard.

Der Feuerwehr stand um 1878 folgendes Inventar zur Verfügung:

eine große Spritze Nr. 1 mit Kupferrohr und 5 Rollen Schläuche
eine große Spritze Nr. 2 mit Kupferrohr und 3 Rollen Schläuche
eine Spritze Nr. 3 mit Kupferrohr und 3 Rollen Schläuche
eine Spritze Nr. 4, zweirädrig mit Kupferrohr und 3 Rollen Schläuche
2 große Leitern, 3 Wasserfässer, 300 m Hanfschläuche
2 Laternen, 24 lackierte Eimer, 22 Hanfeimer, 2 Feuerhaken
verschiedene Schraubenschlüssel, Hacken usw.

Das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbüren befand sich weiterhin an der Roggenkampstraße. Am 7.12.1878 wurde die Freiwillige Feuerwehr Ibbenbüren zu ihrem ersten Einsatz gerufen. Es brannte die Kornscheune des Friedrich Wolf nieder. Dank des Einsatzes der Feuerwehr wurde das Wohnhaus gerettet. Zu jener Zeit erfolgte die Alarmierung der Feuerwehr durch blasen der Alarmhörner und läuten der sogenannten Brandglocken in den Kirchen. Im Jahr 1887 wurde, ergänzend zur Freiwilligen Feuerwehr, eine Pflichtfeuerwehr geschaffen. Jeder männliche Einwohner Ibbenbürens im Alter von 18 bis 60 Jahren wurde verpflichtet, bei Feueralarm zu erscheinen. Ausgenommen von der Pflichtfeuerwehr waren Geistliche, Ärzte, Lehrer, Apotheker, Behinderte und Ehrenmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Unentschuldigtes Fehlen wurde mit einer Geldstrafe von 30 Mark geahndet. 1902, die Feuerwehr wurde inzwischen von Rendant Vahle geführt, wurde eine freiwillige Sanitätskolonne der Feuerwehr gegründet.

Der Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Laggenbeck war der 25.2.1907. Ein Jahr später, am 28.2.1908 wurde die Freiwillige Feuerwehr Dörenthe gegründet.

Um 1929, etwa 50 Jahre nach ihrer Gründung, bestand die Freiwillige Feuerwehr Ibbenbüren aus 4 Löschzügen mit 129 Mitgliedern. In der 1886 gegründeten Feuerwehrkapelle spielten 20 Mann. Am 15. Dezember 1933 wurde durch das Preußische Gesetz über das Feuerlöschwesen die Feuerwehr der Ortpolizeibehörde unterstellt. Die bisher selbstständigen Freiwilligen Feuerwehren Laggenbeck und Dörenthe wurden zu weiteren Löschzügen der Feuerwehr Ibbenbüren. Im weiteren Verlauf erhielt die Freiwillige Feuerwehr Ibbenbüren 1936 den Status einer Hilfspolizeitruppe. Die bisher roten Feuerwehrfahrzeuge wurden tannengrün umlackiert.

1935 verließ die Freiwillige Feuerwehr das alte Gerätehaus an der Roggenkampstraße und zog in die neue Feuerwache am Neumarkt um. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr zur Wehrmacht eingezogen. Die verbliebenen Kameraden, unterstützt von den 22 Angehörigen einer weiblichen Löschgruppe, mussten viele kriegsbedingte Einsätze bewältigen. So z. B. am 27.6.1940. An diesem Tag fielen an der Wilhelmstraße beim ersten größeren Luftangriff Spreng- und Brandbomben. Sieben Tote waren zu beklagen.

Am 1. Januar 1945 musste die Feuerwehr bei Temperaturen von minus 15 Grad in Püsselbüren einen Großbrand bekämpfen. Tiefflieger hatten einen im Bahnhof Esch haltenden Güterzug unter Feuer genommen, der Vergeltungswaffen (V-Wafffen) geladen hatte. Die Explosion des Zuges setzte ein Sägewerk, mehrere Wohnhäuser und mit Papierstreifen beladene Güterwaggons in Brand. Im Mai 1945 ereilte der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbüren, die während des Krieges sogar in Osnabrück, Münster und Dortmund zum Einsatz kam, mit dem Einmarsch der alliierten Truppen ihr vorläufiges Ende. das Gerätehaus war getroffen, die Fahrzeuge hatten schwer gelitten und standen verstreut umher. Viele Gerätschaften waren zerstört. Bereits 1946 begann auf Verlangen der alliierten Besatzungsmacht der Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbüren. Dieser Neuanfang erfolgte unter der Leitung von Schornsteinfegermeister Julius Windhaus.

Im Mai 1953 feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 75-jähriges Jubiläum. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Fahrzeugpark der Feuerwehr, die seit 1952 auch für den Krankentransport zuständig war, aus folgenden Fahrzeugen:

1 Tanklöschfahrzeug TLF 15 mit 2.400 l. Wasser
2 Löschfahrzeuge LF 8
1 Löschfahrzeug LF 15
1 Sprengwagen mit 4 cbm Wasser
1 Wagen für die Waldbrandbekämpfung
1 mechanische Anhängeleiter
Die Wehr verfügte ferner über 2 Sauerstoffgeräte, 1 Frischluftgerät und eine Schlauchwaschmaschine.

Dieser Fahrzeugpark wurde im Jubiläumsjahr um ein TLF 16 ergänzt. Mit diesem Tanklöschfahrzeug wurde erstmals wieder nach dem Krieg ein rotes Feuerwehrfahrzeug in Dienst gestellt. Alle anderen Fahrzeuge waren noch grün lackiert. 1955 wurde ein Magirus TLF 16/A angeschafft. In den folgenden Jahren wurde der Fahrzeugpark der Feuerwehr, die seit 1960 von Ernst Zurhorst geführt wurde, weiter ausgebaut. Am 01.07.1961 wurde im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Ibbenbüren auf dem Neumarkt eine ständig besetzte Feuer- und Rettungswache in Betrieb genommen.

1965 wurde für die Freiwillige Feuerwehr Ibbenbüren eine Drehleiter DL 30 h angeschafft, um auch Rettungen aus größeren Höhen vornehmen zu können.

Die Feuerwehr musste sich im Lauf der Zeit auf immer neue Anforderungen einstellen. 1967 wurde der Wehr der Ölwehrdienst auf dem Mittellandkanal und dem Dortmund-Ems-Kanal übertragen. Die Ausrüstung wurde um Ölstop-Schläuche und andere Gerätschaften ergänzt. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, wurde die Mannschaft immer stärker. 1974 zählte die Freiwillige Feuerwehr Ibbenbüren 156 Mitglieder in vier Löschzügen. 1975 fand eine Gebietsrefom in Nordrhein/Westfalen statt. Kreise, Städte und Gemeinden wurden zusammengelegt bzw. neu aufgeteilt. In Ibbenbüren kam die Landgemeinde mit Laggenbeck und Dörenthe zur Stadt hinzu. Am 10.06.1977 wurde der Freiwilligen Feuerwehr, die seit 1972 von Buchhändler Johannes Althaus geführt wurde, das neue Feuerwehrgerätehaus am Püsselbürener Damm übergeben.

 

Der Feuerwehr, die bei ihrer Gründung vor etwa 100 Jahren „nur” über 4 Spritzen verfügte, stand 1977 folgende Fahrzeuge zur Verfügung:
2 Tanklöschfahrzeuge TLF 16 (1953 und 1955)
1 Löschfahrzeug LF 16 TS (1962)
1 Löschfahrzeug LF8 (1962)
1 Drehleiter DL 30 (1965)
1 Schlauchkraftwagen mit 2000 m Schlauch (1964)
1 Rüstwagen RW 1 (1976)
1 Kommandowagen (1975)
1 Anhänger mit Schaum-Wasser-Werfer (1971)
1 Rettungswagen
2 Krankentransportwagen
3 Personenwagen

Aus Anlass der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum und der neuen Feuerwache wurde eine Jugendfeuerwehr unter der Leitung von Josef Kersting und Franz-Josef Feldkämper gegründet.

Technische Hilfeleistungen, Verkehrsunfälle, Gefahrguteinsätze auf Schiene, Straße, Kanal und in Fabriken forderten eine weitere Spezialisierung der Feuerwehrangehörigen.

Auch von der traditionellen Form der Alarmierung nahm die Wehr Abschied. Anfang der achtziger Jahre wurde vom Sirenenalarm auf die „stille Alarmierung” mittels Funkmeldeempfänger umgestellt.
1990 verfügte die, jetzt von Reinhard Meyer geführte, Freiwillige Feuerwehr Ibbenbüren am Standort Püsselbürener Damm neben den Fahrzeugen für den „normalen” Feuerwehr-und Rettungsdienst über Spezialfahrzeuge, wie z.B. den Gerätewagen Messtechnik für Gefahrgut- und Strahlenschutzeinsatze, ein Feuerwehrboot und einen Pulveranhänger.

1997 erfolgte erneut ein Führungswechsel. Neuer Wehrführer der Feuerwehr Ibbenbüren, die im Jahr 1996 zu insgesamt 328 Einsätzen gerufen wurde und im Rettungsdienst über 6.500 Einsätze absolvierte, wurde der Leiter der Feuer- und Rettungswache, Heiner Löpmeier.

2003 bis heute

Am 11. April 2003 feierte die Wehr ihr 125-jähriges Bestehen. Zu dieser Zeit arbeitete die Wehrführung, gemeinsam mit der Stadt Ibbenbüren, an Erweiterungs- bzw. Neubauplänen für die Feuer- und Rettungswache. 25 Jahre nachdem die Wehr das Gerätehaus am Püsselbürener Damm bezogen hatte, war das Gebäude zu klein geworden, um die inzwischen 35 hauptberuflichen und ihre zahlreichen freiwilligen Feuerwehrkameraden der Löschzüge Stadtmitte 1 + 2 zu beherbergen.

Die rasante Entwicklung beim Rettungsdienst und bei der Feuerwehr ging in den Folgejahren weiter. Auch die Einsatzzahlen stiegen immer weiter an. Im Jahr 2005 fuhr Florian Steinfurt 7, so der Funkrufname der Feuerwehr Ibbenbüren , im Rettungsdienst und mit Feuerwehreinsätzen pro Tag durchschnittlich 27 Einsätze.

Der 13. Mai 2006 war für die Feuerwehr Ibbenbüren ein sehr trauriger Tag. Beim Großbrand im Lager eines textilverarbeitenden Unternehmens kam bei den Löscharbeiten unser Kamerad Mario Kempker, vom Löschzug Laggenbeck, im Alter von 32 Jahren ums Leben. Wir werden sein Andenken immer in Ehren halten.

Im Oktober 2007 erfolgte endlich die Grundsteinlegung für den Neubau der Feuer- und Rettungswache, am Niedersachsenring, durch den Wehrführer Heiner Löpmeier. Bürgermeister Heinz Steingröver erinnerte in seiner Ansprache an eine Verwaltungsvorlage aus dem Jahr 1995, in der bereits damals festgestellt wurde, dass die Wache am Püsselbürener Damm nicht mehr den Anforderungen entsprach. Mit dem Neubau ging somit ein mindestens 12-jähriges Provisorium dem Ende entgegen.

Am 9. März 2009 traten die freiwilligen Feuerwehrangehörigen der Löschzüge Stadtmitte 1 und 2 letztmalig zum Dienstabend in der alten Fahrzeughalle am Püsselbürener Damm an. An diesem Abend erfolgte der lang ersehnte Umzug von Mannschaft und Fahrzeugpark in den Neubau, am Niedersachenring 90. Die feierliche Einweihung der Wache mit zahlreichen Gästen erfolgte am 17. April 2009.

Die neue Wache beherbergt die hauptberufliche Feuer- und Rettungswache, die Löschzüge Stadtmitte 1 und 2 der Freiwilligen Feuerwehr und die Jugendfeuerwehr. Sie wurde auf einem 15.180 qm großen Grundstück errichtet. Die Baukosten lagen bei ca. 8 Millionen Euro.

 

Am 27. Januar 2012 wurde Heiner Löpmeier, als Leiter der Feuer- und Rettungswache, mit dem Erreichen der Altersgrenze von 60 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Bei dem Festakt im Bürgerhaus  wurde Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Rolf zu seinem Nachfolger ernannt. Sein Stellvertreter ist STBI Stefan Steinigeweg.

Heute wird die Feuerwehr Ibbenbüren pro Jahr zu etwa 370 Feuerwehreinsätzen gerufen. Die überwiegende Zahl davon sind technische Hilfeleistungen (in 2014 waren dies 162 Einsätze). 58 Brandeinsätze, 57 Alarmierungen wegen ausgelöster Brandmeldeanlagen und 7 Gefahrguteinsätze runden die Einsatzstatistik ab. Kleine Einsätze arbeitet die hauptberufliche Wache selbständig ab. Bei nahezu jedem dritten Einsatz muss die hauptamtliche Wache aber durch die Freiwillige Feuerwehr (128 Alarmierungen in 2014) unterstützt werden.

Im Rettungsdienst versorgt die Feuerwehr Ibbenbüren das Stadtgebiet von Ibbenbüren und die Gemeinden Recke, Mettingen, Hopsten, Hörstel und Teile von Westerkappeln und Lotte. Sie ist somit für die Versorgung von nahezu 116.000 Einwohnern verantwortlich. Pro Jahr werden über 12.000 Einsätze (35 Einsätze pro Tag) gefahren.

Auch Aufgaben des vorbeugenden Brandschutzes, wie zum Beispiel Brandsicherheitswachen im Bürgerhaus, werden durch die Feuerwehr erbracht. Die Wehr beteiligt sich über den Stadtfeuerwehrverband aktiv bei der Brandschutzaufklärung und Brandschutzerziehung der Bevölkerung.

47 Mitglieder der Jugendfeuerwehr, 215 ehrenamtliche Feuerwehrangehörgige in den beiden Löschzügen Stadtmitte sowie in den Löschzügen Dörenthe und Laggenbeck unterstützen ihre inzwischen 61 hauptberuflichen Kameraden dabei, den Menschen in Ibbenbüren und Umgebung zu helfen. Immer getreu ihrem Motto:

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

 

Die Wehrführer

von 1878 bis 1882 Amtmann Reinhard
von 1882 bis 1885 Amtmann Dietrich
von 1885 bis 1896 Kaufmann Georg Rohmann
von 1896 bis 1906 Rendant Josef Vahle
von 1906 bis 1914 Amtmann Leopold von Eichstedt
von 1914 bis 1921 Amtmann Karl Eickhoff
von 1922 bis 1935 Bürgermeister Dr. Rudolf Müller
von 1935 bis 1942 Bürodirektor Wilhelm Teckenbrock
von 1942 bis 1946 Malermeister Emil Brenningmeyer
von 1946 bis 1960 Schornsteinfegermeister Julius Windhaus
von 1960 bis 1972 stellv. Sparkassendirektor Ernst Zurhorst
von 1972 bis 1990 Buchhändler Johannes Althaus
von 1990 bis 1997 Rechtsanwalt Reinhard Meyer
von 1997 bis 2012 Brandamtsrat Heiner Löpmeier
seit 2012 Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Rolf

Der Text stammt überwiegend aus dem Buch „125 Jahre Feuerwehr Ibbenbüren – 25 Jahre Jugendfeuerwehr Ibbenbüren“, aus dem Jahr 2003. Text: Stefan Plumpe, Thomas Kerk, © Stadtfeuerwehrverband Ibbenbüren e.V., aktuell ergänzt von Stefan Plumpe.

 


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